Theresien-Gymnasium Ansbach

  • Schrift vergrößern
  • Standard-Schriftgröße
  • Schriftgröße verkleinern

Die Schule unterm Hakenkreuz

Mit Hitlers Vereidigung zum Reichskanzler am 30.1.1933 begann in allen Bereichen der stete Prozess der "Gleichschaltung" des Volkes. Dieser Prozess ging in den Schulen mehr oder minder problemlos vonstatten. Nach Ablauf des Schuljahres 1932/33 wurden unliebsame Lehrer "aussortiert" und durch parteitreue ersetzt, und das bayerische Kultusministerium erließ bereits im Frühjahr 1933 neue Ausführungsbestimmungen, welche die Unterrichtsinhalte im nationalsozialistischen Sinn modifizieren sollte. Zu diesem Zeitpunkt zählte das Theresien-Lyzeum insgesamt 176 Schülerinnen - darunter 136 protestantische, 31 katholische und neun jüdischen Glaubens, aus dem unteren und mittleren Mittelstand der Stadt Ansbach und ihrer näheren Umgebung stammend.

Bereits im August 1933 erließ das Bayerische Kulturministerium eine Zugangsbeschränkung nichtarischer Schüler zu deutschen Schulen und Hochschulen. In Ansbach sieht man hier zunächst keinerlei Handlungsbedarf, gleichwohl beschließt die Lehrerschaft am 01.09.1933 einmütig, 1% ihres Nettoeinkommens als "Spende zur nationalen Arbeit" abzuführen. Ab dem Schuljahr 1934/35 kam der Sportunterricht auch am Theresianum verstärkt zum Zuge und wurde sogar zum Abschlussprüfungsfach aufgewertet. Das Theresien-Lyzeum befand sich nun in der Hermann-Göring-Straße - so der neue Name der Karolinenstraße.

Die Aktivitäten des BDM - der Mädchenjugendorganisation der NSDAP - entwickelten sich immer mehr zur Konkurrenz für das schulische Leben. Schließlich entwickelte der Staat eine Art Totalitätsanspruch gegenüber der Schule, die nach der Familie ja die zweitwichtigste Sozialinstanz der Gesellschaft darstellte. Die zahlreichen außerschulischen Aktivitäten führten zu nicht wenigen Konflikten zwischen BDM und Schule, aber auch vor allem zur Überlastung der Schülerinnen. Im März 1936 konnte man verkünden, dass alle 210 Schülerinnen dem BDM angehörten. Im selben Jahr wurde auch der letzte Rest demokratischer Gesinnung im Schulleben durch die Abschaffung des Elternbeirats entfernt.

125 Jahre Theresianum
In dieser gleichgeschalteten Zeit, am 1. Juni 1937, konnte das Theresien-Lyzeum sein 125-jähriges Bestehen feiern - just an dem Tag, an dem der langjährige Schulleiter Dr. Orth in den Ruhestand trat. Sein Nachfolger wurde Dr. Klee. Das Jubiläum wurde in großem Stil mit einer Wiedersehensfeier am 15. Juli 1937 begangen.

Im November 1938 schließlich wurde auch das Theresien-Lyzeum per Verordnung "judenfrei". Und noch schlimmeres kündigte sich an...